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Die Druiden: Das Geheimnis der Oghams


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Rezension von

Frank Drehmel

Das Geheimnis der Oghams Insel Brehat, Aremorica, Ende des 5. Jahrhunderts: eine kopflose, gepfählte und mit Zeichen der alten Religion - den Oghams - versehene Leiche wird an den Strand der Insel gespült, die ein frühes christliches Kloster beherbergt. Bruder Budog widerspricht der Ansicht seiner Mitbrüder, dass es sich um eine Tat der letzten Druiden handelt, und macht sich auf die weite Reise, um Gwenole, seinen ehemaligen Schüler, zu informieren. Nachdem er von Bruder Gwenole erfahren hat, dass es einen weiteren Mord nach dem gleichen Modus Operandi geben hat und auch hier alles auf die alte Religion hindeutet, kontaktiert er seinen Freund Gwenc’hlan, welcher selbst einer der letzten Druiden ist, und bittet ihn, die Mordfälle zu untersuchen. Für Gwenc’hlan kommt dieses Ersuchen nicht überraschend, da er zuvor während eines Rituals durch die Göttin Morrigane eine düstere Warnung und Prophezeiung erhielt. Zusammen mit seinem Schüler Taran folgt er der Einladung Budogs in dessen Heimat-Kloster, wohlwissend, dass seine alte, aussterbende Religion bei den Brüdern als heidnisch verschrien ist. Doch bis auf wenige Ausnahmen stehen die Mönche dem Druiden unvoreingenommen gegenüber, sodass die Ermittlungen relativ ungestört vorankommen. Nach der Befragung des alten, blinden Eremiten Ronan scheint alles daraufhin zu deuten, dass zumindest einer der Brüder sterben musste, weil er einen heiligen, in Oghams verfassten Text in das Lateinische übersetzte. Doch welche Bewandtnis es mit dem Text hat und wer hinter den Morden steckt bleibt vorerst im Dunkeln. Auf den ersten Blick weist Istins und Jigourels Story durchaus unübersehbare Parallelen zu Umberto Ecos “Der Name der Rose” auf, die sich nicht nur auf inhaltliche Aspekte wie bspw. das klösterliche Umfeld oder - in einer sehr allgemeinen Betrachtung - die Konkurrenz unterschiedlicher Denkschulen bzw. das Wachsen einer neuen Ordnung beschränken, sondern die auch in der Erzählstruktur erkennbar werden. So fungiert in einigen Passagen Taran - wie bei Eco Adson von Melk -als rückblickender Ich-Erzähler, der als alter Mann jene Vorkommnisse niederschreibt, bei denen er zugegen war. Diese Parallelen tun jedoch dem Lesespaß keinerlei Abbruch, denn die Geschichte schöpft ihre Kraft - abgesehen von den vordergründigen Thriller-Elementen - zum einen aus ihrem spezifischen, historischen Hintergrund, der tatsächlich ein ganz anderer ist, als jener in “Der Name der Rose”, und zum anderen aus den starken, eigenständigen Charakteren. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Autoren sowohl vermeiden, in ihrer Interpretation die druidische Kultur in ein verklärendes Licht zu hüllen - wie es gerade Esoteriker und “New Age”-Anhänger (viel zu) oft tun-, als auch die Christianisierung im gleichen Atemzug zu verdammen. Stattdessen legen Istin und Jigourel eine interessierte Distanziertheit an den Tag, die zwar ab und an von Wehmut durchzogen scheint, die jedoch in erster Linie den Eindruck historischer Genauigkeit vermittelt (ohne natürlich genau sein zu können). Dieser deskriptiv orientierte Ansatz ist auch dafür verantwortlich, dass die Szene, in welcher Gwenc’hlan der Göttin Morrigane physisch gegenüber tritt, sich also das Metaphysische in der realen Welt manifestiert, nicht nur verstört, sondern den Fluss der Geschichte geradezu zerstört - glücklicherweise nur vorübergehend. Lamontagne “klassisches” Artwork ist zwar nicht innovativ, originell oder unverwechselbar, aber dennoch schlägt es den Leser vom ersten Panel an in seinen Bann. Dieses liegt in erster Linie an den lebendigen, ausdrucksstarken Gesichtern der Figuren und in zweiter Linie am Detailreichtum der fast schon pittoresken Hintergründe sowie den realistisch dargestellten Accessoires - angefangen über die authentisch wirkende Kleidung bis hin zu den Frisuren der Protagonisten. Die stimmungsvolle Kolorierung in natürlich wirkenden Farbtönen tut ein Übriges, um das Comic zu einem visuellen Genuss zu machen. Fazit: Ein spannender, gut erzählte Thriller mit Mystery-Elementen sowie ein lebendiges, um Realismus bemühtes Artwork machen “Das Geheimnis der Oghams” trotz unübersehbarer Parallelen zu Umberto Ecos “Der Name der Rose” nicht nur für Freunde des Historien-Comics zu einer Empfehlung.

Insel Brehat, Aremorica, Ende des 5. Jahrhunderts: eine kopflose, gepfählte und mit Zeichen der alten Religion - den Oghams - versehene Leiche wird an den Strand der Insel gespült, die ein frühes christliches Kloster beherbergt.

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Buchtitel
1
18.02.2018
4
18.02.2018
5
18.02.2018

Bruder Budog widerspricht der Ansicht seiner Mitbrüder, dass es sich um eine Tat der letzten Druiden handelt, und macht sich auf die weite Reise, um Gwenole, seinen ehemaligen Schüler, zu informieren. Nachdem er von Bruder Gwenole erfahren hat, dass es einen weiteren Mord nach dem gleichen Modus Operandi geben hat und auch hier alles auf die alte Religion hindeutet, kontaktiert er seinen Freund Gwenc’hlan, welcher selbst einer der letzten Druiden ist, und bittet ihn, die Mordfälle zu untersuchen.

Für Gwenc’hlan kommt dieses Ersuchen nicht überraschend, da er zuvor während eines Rituals durch die Göttin Morrigane eine düstere Warnung und Prophezeiung erhielt. Zusammen mit seinem Schüler Taran folgt er der Einladung Budogs in dessen Heimat-Kloster, wohlwissend, dass seine alte, aussterbende Religion bei den Brüdern als heidnisch verschrien ist. Doch bis auf wenige Ausnahmen stehen die Mönche dem Druiden unvoreingenommen gegenüber, sodass die Ermittlungen relativ ungestört vorankommen.

Nach der Befragung des alten, blinden Eremiten Ronan scheint alles daraufhin zu deuten, dass zumindest einer der Brüder sterben musste, weil er einen heiligen, in Oghams verfassten Text in das Lateinische übersetzte.

Doch welche Bewandtnis es mit dem Text hat und wer hinter den Morden steckt bleibt vorerst im Dunkeln.

Auf den ersten Blick weist Istins und Jigourels Story durchaus unübersehbare Parallelen zu Umberto Ecos “Der Name der Rose” auf, die sich nicht nur auf inhaltliche Aspekte wie bspw. das klösterliche Umfeld oder - in einer sehr allgemeinen Betrachtung - die Konkurrenz unterschiedlicher Denkschulen bzw. das Wachsen einer neuen Ordnung beschränken, sondern die auch in der Erzählstruktur erkennbar werden. So fungiert in einigen Passagen Taran - wie bei Eco Adson von Melk -als rückblickender Ich-Erzähler, der als alter Mann jene Vorkommnisse niederschreibt, bei denen er zugegen war.

Diese Parallelen tun jedoch dem Lesespaß keinerlei Abbruch, denn die Geschichte schöpft ihre Kraft - abgesehen von den vordergründigen Thriller-Elementen - zum einen aus ihrem spezifischen, historischen Hintergrund, der tatsächlich ein ganz anderer ist, als jener in “Der Name der Rose”, und zum anderen aus den starken, eigenständigen Charakteren.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Autoren sowohl vermeiden, in ihrer Interpretation die druidische Kultur in ein verklärendes Licht zu hüllen - wie es gerade Esoteriker und “New Age”-Anhänger (viel zu) oft tun-, als auch die Christianisierung im gleichen Atemzug zu verdammen. Stattdessen legen Istin und Jigourel eine interessierte Distanziertheit an den Tag, die zwar ab und an von Wehmut durchzogen scheint, die jedoch in erster Linie den Eindruck historischer Genauigkeit vermittelt (ohne natürlich genau sein zu können). Dieser deskriptiv orientierte Ansatz ist auch dafür verantwortlich, dass die Szene, in welcher Gwenc’hlan der Göttin Morrigane physisch gegenüber tritt, sich also das Metaphysische in der realen Welt manifestiert, nicht nur verstört, sondern den Fluss der Geschichte geradezu zerstört - glücklicherweise nur vorübergehend.

Lamontagne “klassisches” Artwork ist zwar nicht innovativ, originell oder unverwechselbar, aber dennoch schlägt es den Leser vom ersten Panel an in seinen Bann. Dieses liegt in erster Linie an den lebendigen, ausdrucksstarken Gesichtern der Figuren und in zweiter Linie am Detailreichtum der fast schon pittoresken Hintergründe sowie den realistisch dargestellten Accessoires - angefangen über die authentisch wirkende Kleidung bis hin zu den Frisuren der Protagonisten. Die stimmungsvolle Kolorierung in natürlich wirkenden Farbtönen tut ein Übriges, um das Comic zu einem visuellen Genuss zu machen.

Fazit: Ein spannender, gut erzählte Thriller mit Mystery-Elementen sowie ein lebendiges, um Realismus bemühtes Artwork machen “Das Geheimnis der Oghams” trotz unübersehbarer Parallelen zu Umberto Ecos “Der Name der Rose” nicht nur für Freunde des Historien-Comics zu einer Empfehlung.

geschrieben am 21.10.2008 | 601 Wörter | 3623 Zeichen

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