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Der leise Duft von Kreta: Nachtstücke für Miriam


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Rezension von

Ragan Tanger

Der leise Duft von Kreta: Nachtstücke für Miriam Seelen der Erinnerung Ein Weltenbummler wird sesshaft und trauert der allzu schönen Freiheit hinterher. So vielleicht die Interpretation, vergleicht man die fiktive Erzählung mit dem tatsächlichen Leben von Gerd Kanke. Der 1946 in Hameln geborene Literat verbrachte nämlich einen Großteil seines Lebens auf Meeren und Inseln, an Lagerfeuern und unter freiem Himmel, studierte erst später was Ordentliches und ist heute im bürgerlichen Sinne arbeitstätig. Doch seine langen Jahre auf der Straße und am Stand haben Spuren hinterlassen, vor allen Dingen in seinem Roman Der leise Duft von Kreta, in dem er Erinnerungen und Erlebnisse mit einer nicht immer leichten Partnerin Revue passieren lässt. Die Nachtstücke für Miriam, so der Untertitel in Anlehnung an diejenige Person, die im Zentrum all der Leidenschaften steht, sind gesponnen und gedacht in einer langen Nacht auf der Nordseeinsel Amrum. Dort ist der Protagonist, sich selbst Torben nennend, mit der gemeinsamen Tochter in Urlaub und schon zu Beginn dringt die Melancholie und die Trauer über eine weitere zerstörte Familie in Deutschland an die Oberfläche. Miriam, also die Mutter, ist nicht mit in Urlaub gefahren und wird es auch nicht mehr tun. Der Vater rekapituliert nun, während die Tochter schlafen gegangen ist, den Beginn und das Feuer der Romanze, die wie so viele so tragisch endeten. Kanke schreibt einen sehnsuchtsvollen, bisweilen schmerzhaften, immer naturverbundenen und voller Intuition geschriebenen Bericht über seine persönliche Geschichte. Das ist auffällig und meines Erachtens das sicherste Anzeichen, woran man den Weltliteraten von dem aufstrebenden Idealisten erkennen kann. Der Weltliterat schreibt Immer so, als wäre er persönlich nicht daran beteiligt gewesen, so, als behielte er die Position des Zeugen immer bei. Der Jungliterat, der ewige Außenseiter, wird immer er selbst sein, sich nicht verbergen können, die Größe des Daseins zur Egozentrik schrumpfen lassen – kein Vorwurf, sondern einfach nur die bloße und übliche Feststellung, wie Literatur aufgenommen und verarbeitet werden kann. Spannend sind seine Nachtstücke, gleichzeitig die Kapiteleinteiler dieses Buches, allemal. Denn natürlich spielen sie auf Kreta, wo die Dame des Herzens den Aussteiger das erste Mal zu Gesicht bekommt. Von Auswanderergedanken ist die Rede, von großen Fischern, von gleißendem Mondlicht, von Reichen und Armen und hätte Griechenland die Schuldenkrise nicht jetzt erfunden, Kanke hat sie mit diesem Charakterbild schon angedeutet – die Liebe zu Miriam wird beschrieben, die Liebe zur Insel Kreta muss nicht beschrieben werden, sie ist in jedem Atemzug spürbar. Sympathisch bleibt festzuhalten: bürgerliche Vorgaben sind dem Autor durchweg egal, er will einfach nur leben, verschmelzen, träumen, für immer zurück in den Schoß der Tiefe des Daseins. Ein im Orkan des Lebens gezeugter Roman. Kanke zitiert auch gerne: Schelley, Rilke, Ringelnatz, Homer, auch Erich Kästner. Es ist belesen, gebildet und der Prototyp aller Aussteiger. Deutschland ist zu kalt und Mikis Theodorakis macht bessere Musik als Costa Cordalis. Das bringt die Liebe des Sommers nur für diese eine Nacht zurück. Es bleibt die Trennung, die riesengroße Melancholie, die Gedanken an Miriam, der Frieden mit der Tochter und der Bezug zu sich selbst. Für Menschen mit Tiefgang, Sehnsucht und solche, die einsam auf der Suche sind nach dem Blutsbruder und dem Traumwesen, hier mal reingucken und gemeinsam leiden; dann löst sich alles auf und ihr könnt frei Richtung Himmel ziehen.

Seelen der Erinnerung

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Ein Weltenbummler wird sesshaft und trauert der allzu schönen Freiheit hinterher. So vielleicht die Interpretation, vergleicht man die fiktive Erzählung mit dem tatsächlichen Leben von Gerd Kanke. Der 1946 in Hameln geborene Literat verbrachte nämlich einen Großteil seines Lebens auf Meeren und Inseln, an Lagerfeuern und unter freiem Himmel, studierte erst später was Ordentliches und ist heute im bürgerlichen Sinne arbeitstätig. Doch seine langen Jahre auf der Straße und am Stand haben Spuren hinterlassen, vor allen Dingen in seinem Roman Der leise Duft von Kreta, in dem er Erinnerungen und Erlebnisse mit einer nicht immer leichten Partnerin Revue passieren lässt.

Die Nachtstücke für Miriam, so der Untertitel in Anlehnung an diejenige Person, die im Zentrum all der Leidenschaften steht, sind gesponnen und gedacht in einer langen Nacht auf der Nordseeinsel Amrum. Dort ist der Protagonist, sich selbst Torben nennend, mit der gemeinsamen Tochter in Urlaub und schon zu Beginn dringt die Melancholie und die Trauer über eine weitere zerstörte Familie in Deutschland an die Oberfläche. Miriam, also die Mutter, ist nicht mit in Urlaub gefahren und wird es auch nicht mehr tun. Der Vater rekapituliert nun, während die Tochter schlafen gegangen ist, den Beginn und das Feuer der Romanze, die wie so viele so tragisch endeten.

Kanke schreibt einen sehnsuchtsvollen, bisweilen schmerzhaften, immer naturverbundenen und voller Intuition geschriebenen Bericht über seine persönliche Geschichte. Das ist auffällig und meines Erachtens das sicherste Anzeichen, woran man den Weltliteraten von dem aufstrebenden Idealisten erkennen kann. Der Weltliterat schreibt Immer so, als wäre er persönlich nicht daran beteiligt gewesen, so, als behielte er die Position des Zeugen immer bei. Der Jungliterat, der ewige Außenseiter, wird immer er selbst sein, sich nicht verbergen können, die Größe des Daseins zur Egozentrik schrumpfen lassen – kein Vorwurf, sondern einfach nur die bloße und übliche Feststellung, wie Literatur aufgenommen und verarbeitet werden kann.

Spannend sind seine Nachtstücke, gleichzeitig die Kapiteleinteiler dieses Buches, allemal. Denn natürlich spielen sie auf Kreta, wo die Dame des Herzens den Aussteiger das erste Mal zu Gesicht bekommt. Von Auswanderergedanken ist die Rede, von großen Fischern, von gleißendem Mondlicht, von Reichen und Armen und hätte Griechenland die Schuldenkrise nicht jetzt erfunden, Kanke hat sie mit diesem Charakterbild schon angedeutet – die Liebe zu Miriam wird beschrieben, die Liebe zur Insel Kreta muss nicht beschrieben werden, sie ist in jedem Atemzug spürbar. Sympathisch bleibt festzuhalten: bürgerliche Vorgaben sind dem Autor durchweg egal, er will einfach nur leben, verschmelzen, träumen, für immer zurück in den Schoß der Tiefe des Daseins. Ein im Orkan des Lebens gezeugter Roman.

Kanke zitiert auch gerne: Schelley, Rilke, Ringelnatz, Homer, auch Erich Kästner. Es ist belesen, gebildet und der Prototyp aller Aussteiger. Deutschland ist zu kalt und Mikis Theodorakis macht bessere Musik als Costa Cordalis. Das bringt die Liebe des Sommers nur für diese eine Nacht zurück. Es bleibt die Trennung, die riesengroße Melancholie, die Gedanken an Miriam, der Frieden mit der Tochter und der Bezug zu sich selbst. Für Menschen mit Tiefgang, Sehnsucht und solche, die einsam auf der Suche sind nach dem Blutsbruder und dem Traumwesen, hier mal reingucken und gemeinsam leiden; dann löst sich alles auf und ihr könnt frei Richtung Himmel ziehen.

geschrieben am 15.03.2012 | 528 Wörter | 3050 Zeichen

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