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Transmetropolitan: Schöne neue Welt


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Informationen zum Buch
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Rezension von

Frank Drehmel

Schöne neue Welt Ex-Journalist und Buchautor Spider Jerusalem hatte auf einen ruhigen Lebensabend in seiner Blockhütte in den Bergen gehofft, umgeben von nichts als der weiten Natur, einem tödlichen Minen-Feld und einer Ebola-Bombe unter seinem Klo. In diesem gleichermaßen friedvollen wie abgeschiedenen Paradies erreicht ihn eines Tages jedoch ein Anruf seines Verlegers, der die beiden ausstehende Bücher anmahnt, deren Vorschuss Spider schon vor Jahren durchgebracht hat. So ist also der Aussteiger gezwungen in sein abgelegtes früheres Leben und Die Stadt, den alles verschlingenden Moloch von Stadt, zurückzukehren, deren Chaos er hinter sich gelassen hatte. Zunächst gilt es, einen Job zu ergattern, der sein Auskommen sichert. Sein geradezu legendärer Ruf als Journalist und ein alter Presse-Kontakt bei der Zeitung „The Word“ sorgen für seinen Wiedereinstieg und einen ersten Auftrag, der ihn die Szene der bizarren Transienten führt, von Menschen, die sich mittels Alien-DNA in einen völlig neue Spezies verwandeln wollen, und deren Unabhängigkeits-Bestrebungen vom aktuellen Regime so sehr unterdrückt werden, dass die Transienten einen Aufstand proben, einen Aufstand dessen blutiger und brutaler Niederschlagung Spider live beiwohnt. Im Zuge diese Auftrags findet der Journalist nicht nur ein bizarres Haustier – ein zweiköpfige, übelgelaunte Katze -, sondern lernt auch (s)eine spätere Assistenten kennen, Channon Yarrow, eine junge Frau, die sich ihr Journalistik-Studium mit Strippen verdient und die in der nächsten Zeit Spider begleiten wird. Bald darauf erklärt Jerusalem dem korrupten Präsidenten den Krieg – einen Krieg, den der Journalist mit der Schreibmaschine zu führen gedenkt -, legt sich mit Esoterikern an, begleitet Channon bei einem schweren Gang, dem Abschied von ihrem Freund und Lover Ziang, der sich einer sogenannten Foglet-Gemeinde angeschlossen hat und sich in einer besonderen Zeremonie in ein postbiologisches Wesen, eine Wolke von Nano-Maschinen downloaden lässt, was seinen körperlich-irdischen Tod bedeutet, und besucht die Reservate einiger absonderlicher Kulturen, die z.T. widerliche Rituale praktizieren. Während seiner zahlreichen Umtriebe – Ermittlungen Eskapaden und Selbstverwirklichungs-Tripps - macht sich Spider Jerusalem vor allem eines: Feinde! Zu diesen Feinde gehört auch der bizarrste Police Officer, den die Stadt gesehen hat und der Jerusalem buchstäblich ans Bein pissen will. Warren Ellis ist für Panini-Leser kein Unbekannter: mit Mini-Serien wie „Supergod“ und „Freakangels“ – aber auch mit einigen Arbeiten für Marvels klassischen Superhelden-Mainstream – gehört der Brite nicht nur zu den umtriebigeren Autoren, sondern zu den vielseitigeren. In der ab 1997 bis 2002 erschienen 60-bändigen Reihe „Transmetropolitan“ bewegt er sich in einem Genre, das damals zwar seinen Zenit, den Hype der Anfangsjahre überschritten hatte, das aber nichtsdestotrotz im Comic bis dato eher stiefmütterlich abgehandelt wurde: dem Cyberpunk. Ellis entwirft in „Transmetropolitan“ eine dystopische Welt voller Gewalt, Lärm, Drogen, bevölkert von bizarren Wesen – einige Menschen, andere nicht -, die nach Macht und/oder Selbstverwirklichung gieren, die die biologischen Beschränkungen ihrer Körper durch den Einsatz von Hochtechnologie und Cyberware zu überwinden trachten. Der Hauptprotagonist hat diese grelle, schnelle Welt einerseits verinnerlicht; er gibt sich ganz ihrem Fluss hin, durchschaut und anerkennt ihre Spielregeln, konsumiert Drogen, nutzt die Technik, die sich ihm bietet, tritt gleichermaßen zynisch und brutal auf, geriert sich mit der Wahl seines Körperschmucks – den Tattoos, der Auswahl der Kleidung bzw. Kostümierung – als Poser, als Selbstdarsteller, anderseits probt er den Widerstand, indem die Regeln, nach denen diese Welt funktioniert, die Missstände, die Korruption, die physische und strukturelle Gewalt nicht nur mit seinen Kolumnen und Texten ins Bewusstsein der Menschen rückt, sondern in geradezu messianischem Habitus die Händler der Illusionen und Lügen aus ihren Tempeln zerrt, sie ins Licht der Öffentlichkeit rückt. Gerade in der bösen, satirischen Analyse der gesellschaftlichen Verwerfungen ist Ellis Geschichte hochpolitisch und Spiders Kommentierung des Transienten-Aufstandes nach Art eines Kriegsberichterstatters gehört in seiner Dynamik und Wortwahl zum Intensivsten, Unmittelbarsten, was im amerikanischen Massenmarkt-Comics erschienen ist. Das dynamische Artwork Darick Robertsons gleicht in seiner Bewegung, den weichen Formen, der Fülle an Bildinformationen und den zerfließenden Panels zuweilen der Visualisierung eines Drogentripps, einer Collage aus Gewalt, Exzessen und Wundern und ist insofern die perfekte Umsetzung einer Story, die von den ersten Seiten an an die Iluminatus-Trilogie Robert Sheas und Robert Anton Wilsons oder Michael Moorcocks „Jerry Cornelius“-Abenteuer erinnert. Fazit: Satirisch, politisch, zynisch bizarr und wundervoll bzw. voller Wunder. Cyberpunk at its best. Bis heute eine der herausragenden Serien des Vertigo-Imprints.

Ex-Journalist und Buchautor Spider Jerusalem hatte auf einen ruhigen Lebensabend in seiner Blockhütte in den Bergen gehofft, umgeben von nichts als der weiten Natur, einem tödlichen Minen-Feld und einer Ebola-Bombe unter seinem Klo. In diesem gleichermaßen friedvollen wie abgeschiedenen Paradies erreicht ihn eines Tages jedoch ein Anruf seines Verlegers, der die beiden ausstehende Bücher anmahnt, deren Vorschuss Spider schon vor Jahren durchgebracht hat.

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Bald darauf erklärt Jerusalem dem korrupten Präsidenten den Krieg – einen Krieg, den der Journalist mit der Schreibmaschine zu führen gedenkt -, legt sich mit Esoterikern an, begleitet Channon bei einem schweren Gang, dem Abschied von ihrem Freund und Lover Ziang, der sich einer sogenannten Foglet-Gemeinde angeschlossen hat und sich in einer besonderen Zeremonie in ein postbiologisches Wesen, eine Wolke von Nano-Maschinen downloaden lässt, was seinen körperlich-irdischen Tod bedeutet, und besucht die Reservate einiger absonderlicher Kulturen, die z.T. widerliche Rituale praktizieren.

Während seiner zahlreichen Umtriebe – Ermittlungen Eskapaden und Selbstverwirklichungs-Tripps - macht sich Spider Jerusalem vor allem eines: Feinde! Zu diesen Feinde gehört auch der bizarrste Police Officer, den die Stadt gesehen hat und der Jerusalem buchstäblich ans Bein pissen will.

Warren Ellis ist für Panini-Leser kein Unbekannter: mit Mini-Serien wie „Supergod“ und „Freakangels“ – aber auch mit einigen Arbeiten für Marvels klassischen Superhelden-Mainstream – gehört der Brite nicht nur zu den umtriebigeren Autoren, sondern zu den vielseitigeren. In der ab 1997 bis 2002 erschienen 60-bändigen Reihe „Transmetropolitan“ bewegt er sich in einem Genre, das damals zwar seinen Zenit, den Hype der Anfangsjahre überschritten hatte, das aber nichtsdestotrotz im Comic bis dato eher stiefmütterlich abgehandelt wurde: dem Cyberpunk.

Ellis entwirft in „Transmetropolitan“ eine dystopische Welt voller Gewalt, Lärm, Drogen, bevölkert von bizarren Wesen – einige Menschen, andere nicht -, die nach Macht und/oder Selbstverwirklichung gieren, die die biologischen Beschränkungen ihrer Körper durch den Einsatz von Hochtechnologie und Cyberware zu überwinden trachten. Der Hauptprotagonist hat diese grelle, schnelle Welt einerseits verinnerlicht; er gibt sich ganz ihrem Fluss hin, durchschaut und anerkennt ihre Spielregeln, konsumiert Drogen, nutzt die Technik, die sich ihm bietet, tritt gleichermaßen zynisch und brutal auf, geriert sich mit der Wahl seines Körperschmucks – den Tattoos, der Auswahl der Kleidung bzw. Kostümierung – als Poser, als Selbstdarsteller, anderseits probt er den Widerstand, indem die Regeln, nach denen diese Welt funktioniert, die Missstände, die Korruption, die physische und strukturelle Gewalt nicht nur mit seinen Kolumnen und Texten ins Bewusstsein der Menschen rückt, sondern in geradezu messianischem Habitus die Händler der Illusionen und Lügen aus ihren Tempeln zerrt, sie ins Licht der Öffentlichkeit rückt. Gerade in der bösen, satirischen Analyse der gesellschaftlichen Verwerfungen ist Ellis Geschichte hochpolitisch und Spiders Kommentierung des Transienten-Aufstandes nach Art eines Kriegsberichterstatters gehört in seiner Dynamik und Wortwahl zum Intensivsten, Unmittelbarsten, was im amerikanischen Massenmarkt-Comics erschienen ist.

Das dynamische Artwork Darick Robertsons gleicht in seiner Bewegung, den weichen Formen, der Fülle an Bildinformationen und den zerfließenden Panels zuweilen der Visualisierung eines Drogentripps, einer Collage aus Gewalt, Exzessen und Wundern und ist insofern die perfekte Umsetzung einer Story, die von den ersten Seiten an an die Iluminatus-Trilogie Robert Sheas und Robert Anton Wilsons oder Michael Moorcocks „Jerry Cornelius“-Abenteuer erinnert.

Fazit: Satirisch, politisch, zynisch bizarr und wundervoll bzw. voller Wunder. Cyberpunk at its best. Bis heute eine der herausragenden Serien des Vertigo-Imprints.

geschrieben am 18.06.2013 | 687 Wörter | 4347 Zeichen

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