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Rate, wer zum Essen bleibt


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Rate, wer zum Essen bleibt Der neue Roman von Philipp Tingler liest sich rasant, so viel kann vorweggenommen werden. Die Dialoge sind kleine Feuerwerke an Anspielungen, Schattenfechtereien und Bösartigkeiten, die die Protagonisten sich wechselseitig an die Köpfe werden. Die reinen Textpassagen hingegen, die sich dummerweise zwischen die zahlreichen Dialoge begeben haben, können mit der Finesse der gesprochenen Szenerien nicht ganz mithalten, sondern erschöpfen sich mitunter ein wenig im selbstgefälligen Duktus. Das ist durchaus auch amüsant, aber an mancher Stelle – und leider auch am Schluss – ist es eher nervig als noch unterhaltsam und man beginnt querzulesen. Im Fokus der Geschichte steht Franziska, die sich anschickt eine Stiftungsprofessur für Soziologie zu ergattern. Dies soll auch dadurch klappen, dass sie den Dekan der Fakultät samt Frau zum Essen zu sich nach Hause einlädt und angesichts ihrer Angespanntheit und des Erfolgsdrucks der auf diesem Event lastet, weiß man schon von Beginn an: das wird nix. Oder jedenfalls nicht das, was Franziska sich erhofft. Ihr Gatte, der Schriftsteller Felix, der ein wenig als schöngeistiger Bonvivant durchs Buch mäandert, sorgt mittelbar dafür, dass die ohnehin anstrengende Situation eskaliert. Denn wie aus dem nichts klingelt eine alte Freundin von Felix, Conni, und bringt fortan Leben in die Bude. Sie bildet einen krassen Kontrastpunkt zu Franziska, indem sie ungeniert alles direkt an- und ausspricht und dabei vermeintliche Tabus der Etikette konsequent verletzt. Das ist ungemein komisch und mutiert mitunter zum Slapstick, der aber durch die geschliffen guten Dialoge locker kompensiert wird. Auch die ergänzenden Charaktere des Buches (Dekan und Frau, Franziskas Bruder, später der Stiftungspräsident samt Frau als nächste Essensgäste, diverse Statisten) sorgen für ein variantenreiches Spektakel, wenngleich man sich bei manchen Konstellationen mehr Aufklärung gewünscht hätte, etwa hinsichtlich der familiären Verhältnisse von Franziska. Als sich am Ende alles irgendwie in ganz andere Richtungen wendet als Franziska dies geahnt oder gar gewünscht hätte, beginnt die Phase der Einsicht und Selbsterkenntnis, aus der man aber nicht so recht schlau wird, auch weil die voluminöse Sprache diesen geistigen Wandlungsprozess des eher nüchtern angelegten Charakters nicht trägt. Man kann sich das Buch hervorragend auf einer Bühne oder als kammerspielartige Verfilmung vorstellen, denn die Lektüre besonders der Dialoge sorgt für eine Plastizität im Kopf, für die dem Autor hohes Lob zu zollen ist. Nachdem schon auf dem Buchumschlag damit „geworben“ wird, dass Tingler keinen nüchternen Schreibstil zeitigt, muss man diesen Umstand als Leser einfach hinnehmen, auch wenn dadurch die die Geschichte voranbringenden Textpassagen mitunter wie oben beschrieben ein wenig zu aufgeplustert wirken. Insgesamt bietet das Werk aber eine vergnügliche Lektüre für zwei bis drei Stunden, in denen man nicht selten laut auflachen wird.

Der neue Roman von Philipp Tingler liest sich rasant, so viel kann vorweggenommen werden. Die Dialoge sind kleine Feuerwerke an Anspielungen, Schattenfechtereien und Bösartigkeiten, die die Protagonisten sich wechselseitig an die Köpfe werden. Die reinen Textpassagen hingegen, die sich dummerweise zwischen die zahlreichen Dialoge begeben haben, können mit der Finesse der gesprochenen Szenerien nicht ganz mithalten, sondern erschöpfen sich mitunter ein wenig im selbstgefälligen Duktus. Das ist durchaus auch amüsant, aber an mancher Stelle – und leider auch am Schluss – ist es eher nervig als noch unterhaltsam und man beginnt querzulesen.

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Im Fokus der Geschichte steht Franziska, die sich anschickt eine Stiftungsprofessur für Soziologie zu ergattern. Dies soll auch dadurch klappen, dass sie den Dekan der Fakultät samt Frau zum Essen zu sich nach Hause einlädt und angesichts ihrer Angespanntheit und des Erfolgsdrucks der auf diesem Event lastet, weiß man schon von Beginn an: das wird nix. Oder jedenfalls nicht das, was Franziska sich erhofft. Ihr Gatte, der Schriftsteller Felix, der ein wenig als schöngeistiger Bonvivant durchs Buch mäandert, sorgt mittelbar dafür, dass die ohnehin anstrengende Situation eskaliert. Denn wie aus dem nichts klingelt eine alte Freundin von Felix, Conni, und bringt fortan Leben in die Bude. Sie bildet einen krassen Kontrastpunkt zu Franziska, indem sie ungeniert alles direkt an- und ausspricht und dabei vermeintliche Tabus der Etikette konsequent verletzt. Das ist ungemein komisch und mutiert mitunter zum Slapstick, der aber durch die geschliffen guten Dialoge locker kompensiert wird. Auch die ergänzenden Charaktere des Buches (Dekan und Frau, Franziskas Bruder, später der Stiftungspräsident samt Frau als nächste Essensgäste, diverse Statisten) sorgen für ein variantenreiches Spektakel, wenngleich man sich bei manchen Konstellationen mehr Aufklärung gewünscht hätte, etwa hinsichtlich der familiären Verhältnisse von Franziska. Als sich am Ende alles irgendwie in ganz andere Richtungen wendet als Franziska dies geahnt oder gar gewünscht hätte, beginnt die Phase der Einsicht und Selbsterkenntnis, aus der man aber nicht so recht schlau wird, auch weil die voluminöse Sprache diesen geistigen Wandlungsprozess des eher nüchtern angelegten Charakters nicht trägt.

Man kann sich das Buch hervorragend auf einer Bühne oder als kammerspielartige Verfilmung vorstellen, denn die Lektüre besonders der Dialoge sorgt für eine Plastizität im Kopf, für die dem Autor hohes Lob zu zollen ist. Nachdem schon auf dem Buchumschlag damit „geworben“ wird, dass Tingler keinen nüchternen Schreibstil zeitigt, muss man diesen Umstand als Leser einfach hinnehmen, auch wenn dadurch die die Geschichte voranbringenden Textpassagen mitunter wie oben beschrieben ein wenig zu aufgeplustert wirken. Insgesamt bietet das Werk aber eine vergnügliche Lektüre für zwei bis drei Stunden, in denen man nicht selten laut auflachen wird.

geschrieben am 14.10.2019 | 428 Wörter | 2539 Zeichen

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