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Die Öffnung der Welt. Eine Globalgeschichte des Hellenismus


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Rezension von

Adrian Witt

Die Öffnung der Welt. Eine Globalgeschichte des Hellenismus Seit Johann Gustav Droysen im 19. Jahrhundert für die Zeit zwischen dem klassischen griechischem Altertum und der frühen römischen Kaiserzeit erstmalig den Begriff des Hellenismus verwendet hat, hat sich das Bild dieser Epoche immer wieder gewandelt. Dabei wurden althergebrachte Deutungen revidiert sowie einzelne historische Teilbereiche schärfer beleuchtet. In der Regel dienen Epochengrenzen dazu, die Geschichte der Vergangenheit besser zu verstehen. Doch manchmal tut sich die Wissenschaft dabei äußerst schwer, was zu Wahrnehmungsstörungen und teils heftigen Diskussionen unter den Forschern führt. Unter Hellenismus versteht man in der Geschichtswissenschaft üblicherweise jene Epoche der antiken griechischen Geschichte, die vom Regierungsantritt Alexander des Großen von Makedonien im Jahr 336 v. Chr. bis zur Einverleibung des griechisch-ptolemäischen Ägyptens, des letzten hellenistischen Großreiches, in das Römische Reich im Jahr 30 v. Chr. reicht. Doch dieser an der politischen Geschichte der Antike orientierte Eingliederungsversuch ist angesichts des nach der Schlacht von Actium zwischen Octavian (dem späteren Kaiser Augustus) und Marcus Antonius im Jahr 31 v. Chr. fortdauernden Einflusses der griechischen Kultur auf das Römische Reich unbefriedigend; darüber besteht in der aktuellen Geschichtsforschung weitgehend Einigkeit. Unter diesem Gesichtspunkt sollte der Versucht durch den griechischen Geschichtswissenschaftler Angelos Chaniotis, die Epochengrenzen des Hellenismus neu zu definieren, nicht auf Widerstand stoßen. In seinem Werk, das unter dem Titel „Die Öffnung der Welt“ im wbg Theiss Verlag bereits im Jahr 2019 erschienen ist, verlängert er die Epoche des klassischen griechischen Altertums nicht nur bis zum Tode des römischen Kaiser Hadrian im Jahr 138 n. Chr., sondern wertet gleichzeitig auch die Bedeutung des Hellenismus auf. Dabei befreit er im Laufe seines 528 Seiten umfassenden Werk den Hellenismus von jenem Geruch einer bloßen Übergangsphase zwischen der Blüte der griechischen Kultur und dem Aufstieg Roms. Aus der Sicht von Angelos Chaniotis stellt diese Epoche vielmehr die Zeit einer ersten Globalisierung dar, also des Zusammenwachsens der damals bekannten Welt. In diesem Zusammenhang sieht er in der Zeit des Hellenismus einen Spiegel für unsere Gegenwart, die von vergleichbaren Strukturen geprägt sei: einem Multikulturalismus, einer hohen Mobilität der Menschen und einem prägenden Einfluss der Städte. Zwar gelang es den als Diadochen bezeichneten Nachfolgern von Alexander dem Großen nicht, sein gewaltiges Weltreich zu bewahren. Doch die nachfolgenden Reiche, die u.a. seine Generäle Kassandros, Lysimachos, Ptolemaios und Seleukos gründeten, erstreckten sich immer noch über mehrere Kontinente und hielten sich zum Teil fast 300 Jahre. Die Dynastien, die sie schufen, mussten die Länder und Kulturen, die Alexander einst erobert und unter einer Herrschaft vereint hatte, zusammenhalten und verwalten. Die hier geborene Mischung aus zentraler Verwaltung und lokal gewährter Autonomie schuf ein Verwaltungsmodell, das in vielen Facetten später von Rom übernommen wurde und noch heute überall auf der Welt anzutreffen ist. Zudem fällt in diese Zeit die wachsende Bedeutung der städtischen Infrastruktur wie Gymnasium und Theater, Vereine und nicht zuletzt die sich zunehmend vermehrenden religiösen Kulte: Sie waren es, die den Menschen in der damaligen Zeit das Gefühl der Zugehörigkeit angesichts der Konfrontation mit einer durch Krieg und oftmals erzwungener Migration geprägten Welt boten. Differenziert beschreibt Angelos Chaniotis im weiteren Verlauf seines Werkes, welche Traditionen der Griechen im Römischen Reich weitergewirkt haben und wo der Einfluss Roms Veränderungen bewirkte: So veränderten sich im Laufe der Jahrhunderte die alten demokratischen Strukturen der griechischen Stadtstaaten, in denen sich Bürger als Gleiche begegneten, immer stärker zu hierarchisch geprägten Gesellschaftsstrukturen, die in der Person des römischen Kaisers seine Vollendung fand. In jeweiligen Querschnittkapiteln zur Herrschaftsausübung, Gesellschaftsstruktur sowie Kultur und Religion zeichnet Angelos Chaniotis ein lebendiges Bilder einer längst der Vergessenheit anheimgefallenen Epoche. Demgegenüber fallen die Kapitel, die der Nacherzählung der Ereignisgeschichte gewidmet sind, etwas ab: Die immer neuen kriegerischen Auseinandersetzungen und Intrigen ermüden etwas und bleiben ähnlich oberflächlich, wie die viele anderen Werke, in denen der Hellenismus im Mittelpunkt einer Untersuchung steht. Die griechische Kultur hat nach Alexander dem Großen für lange Zeit weite Teile Europas, Afrikas und Asiens geprägt. So ist wohl nur Wenigen bekannt, dass in Ägypten bis zur Eroberung durch die Araber im Jahr 639 griechisch gesprochen wurde. Eines von vielen Vermächtnissen, die der makedonische Herrscher und seine Nachfolger der Nachwelt hinterlassen hat. Mit „Die Öffnung der Welt. Eine Globalgeschichte des Hellenismus“, hat der Historiker Angelos Chaniotis ein Werk geschaffen, das die Geschichte zweier Epochen, die meist getrennt voneinander behandelt werden – das hellenistische Zeitalter und die frühe römische Kaiserzeit – erzählt. Dabei gelingt es ihm nicht nur aufzuzeigen, dass es bereits vor über 2000 Jahren ein kosmopolitisches Zeitalter gegeben hat, sondern auch zu zeigen, worin sich Gegenwart und Vergangenheit ähneln: Dass Geld und Macht Einzelner die demokratischen Strukturen unterminieren können. Insgesamt ein gelungenes Werk, das den Versuch unternimmt, die Fesseln der starren Epochengrenzen zu sprengen und in seiner Gesamtheit wohl für lange Zeit eines der zentralen Referenzwerke über den Hellenismus bleiben wird.

Seit Johann Gustav Droysen im 19. Jahrhundert für die Zeit zwischen dem klassischen griechischem Altertum und der frühen römischen Kaiserzeit erstmalig den Begriff des Hellenismus verwendet hat, hat sich das Bild dieser Epoche immer wieder gewandelt. Dabei wurden althergebrachte Deutungen revidiert sowie einzelne historische Teilbereiche schärfer beleuchtet.

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In der Regel dienen Epochengrenzen dazu, die Geschichte der Vergangenheit besser zu verstehen. Doch manchmal tut sich die Wissenschaft dabei äußerst schwer, was zu Wahrnehmungsstörungen und teils heftigen Diskussionen unter den Forschern führt. Unter Hellenismus versteht man in der Geschichtswissenschaft üblicherweise jene Epoche der antiken griechischen Geschichte, die vom Regierungsantritt Alexander des Großen von Makedonien im Jahr 336 v. Chr. bis zur Einverleibung des griechisch-ptolemäischen Ägyptens, des letzten hellenistischen Großreiches, in das Römische Reich im Jahr 30 v. Chr. reicht. Doch dieser an der politischen Geschichte der Antike orientierte Eingliederungsversuch ist angesichts des nach der Schlacht von Actium zwischen Octavian (dem späteren Kaiser Augustus) und Marcus Antonius im Jahr 31 v. Chr. fortdauernden Einflusses der griechischen Kultur auf das Römische Reich unbefriedigend; darüber besteht in der aktuellen Geschichtsforschung weitgehend Einigkeit. Unter diesem Gesichtspunkt sollte der Versucht durch den griechischen Geschichtswissenschaftler Angelos Chaniotis, die Epochengrenzen des Hellenismus neu zu definieren, nicht auf Widerstand stoßen. In seinem Werk, das unter dem Titel „Die Öffnung der Welt“ im wbg Theiss Verlag bereits im Jahr 2019 erschienen ist, verlängert er die Epoche des klassischen griechischen Altertums nicht nur bis zum Tode des römischen Kaiser Hadrian im Jahr 138 n. Chr., sondern wertet gleichzeitig auch die Bedeutung des Hellenismus auf.

Dabei befreit er im Laufe seines 528 Seiten umfassenden Werk den Hellenismus von jenem Geruch einer bloßen Übergangsphase zwischen der Blüte der griechischen Kultur und dem Aufstieg Roms. Aus der Sicht von Angelos Chaniotis stellt diese Epoche vielmehr die Zeit einer ersten Globalisierung dar, also des Zusammenwachsens der damals bekannten Welt. In diesem Zusammenhang sieht er in der Zeit des Hellenismus einen Spiegel für unsere Gegenwart, die von vergleichbaren Strukturen geprägt sei: einem Multikulturalismus, einer hohen Mobilität der Menschen und einem prägenden Einfluss der Städte. Zwar gelang es den als Diadochen bezeichneten Nachfolgern von Alexander dem Großen nicht, sein gewaltiges Weltreich zu bewahren. Doch die nachfolgenden Reiche, die u.a. seine Generäle Kassandros, Lysimachos, Ptolemaios und Seleukos gründeten, erstreckten sich immer noch über mehrere Kontinente und hielten sich zum Teil fast 300 Jahre. Die Dynastien, die sie schufen, mussten die Länder und Kulturen, die Alexander einst erobert und unter einer Herrschaft vereint hatte, zusammenhalten und verwalten. Die hier geborene Mischung aus zentraler Verwaltung und lokal gewährter Autonomie schuf ein Verwaltungsmodell, das in vielen Facetten später von Rom übernommen wurde und noch heute überall auf der Welt anzutreffen ist. Zudem fällt in diese Zeit die wachsende Bedeutung der städtischen Infrastruktur wie Gymnasium und Theater, Vereine und nicht zuletzt die sich zunehmend vermehrenden religiösen Kulte: Sie waren es, die den Menschen in der damaligen Zeit das Gefühl der Zugehörigkeit angesichts der Konfrontation mit einer durch Krieg und oftmals erzwungener Migration geprägten Welt boten. Differenziert beschreibt Angelos Chaniotis im weiteren Verlauf seines Werkes, welche Traditionen der Griechen im Römischen Reich weitergewirkt haben und wo der Einfluss Roms Veränderungen bewirkte: So veränderten sich im Laufe der Jahrhunderte die alten demokratischen Strukturen der griechischen Stadtstaaten, in denen sich Bürger als Gleiche begegneten, immer stärker zu hierarchisch geprägten Gesellschaftsstrukturen, die in der Person des römischen Kaisers seine Vollendung fand. In jeweiligen Querschnittkapiteln zur Herrschaftsausübung, Gesellschaftsstruktur sowie Kultur und Religion zeichnet Angelos Chaniotis ein lebendiges Bilder einer längst der Vergessenheit anheimgefallenen Epoche. Demgegenüber fallen die Kapitel, die der Nacherzählung der Ereignisgeschichte gewidmet sind, etwas ab: Die immer neuen kriegerischen Auseinandersetzungen und Intrigen ermüden etwas und bleiben ähnlich oberflächlich, wie die viele anderen Werke, in denen der Hellenismus im Mittelpunkt einer Untersuchung steht.

Die griechische Kultur hat nach Alexander dem Großen für lange Zeit weite Teile Europas, Afrikas und Asiens geprägt. So ist wohl nur Wenigen bekannt, dass in Ägypten bis zur Eroberung durch die Araber im Jahr 639 griechisch gesprochen wurde. Eines von vielen Vermächtnissen, die der makedonische Herrscher und seine Nachfolger der Nachwelt hinterlassen hat. Mit „Die Öffnung der Welt. Eine Globalgeschichte des Hellenismus“, hat der Historiker Angelos Chaniotis ein Werk geschaffen, das die Geschichte zweier Epochen, die meist getrennt voneinander behandelt werden – das hellenistische Zeitalter und die frühe römische Kaiserzeit – erzählt. Dabei gelingt es ihm nicht nur aufzuzeigen, dass es bereits vor über 2000 Jahren ein kosmopolitisches Zeitalter gegeben hat, sondern auch zu zeigen, worin sich Gegenwart und Vergangenheit ähneln: Dass Geld und Macht Einzelner die demokratischen Strukturen unterminieren können. Insgesamt ein gelungenes Werk, das den Versuch unternimmt, die Fesseln der starren Epochengrenzen zu sprengen und in seiner Gesamtheit wohl für lange Zeit eines der zentralen Referenzwerke über den Hellenismus bleiben wird.

geschrieben am 25.09.2021 | 780 Wörter | 4926 Zeichen

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